„What A Wonderful World“
- Premiere auf dem Moritzhof: Buch über Louis Armstrongs DDR-Tournee
von Carrington, 10.03.10
Eine fast vergessene Geschichte: Im Frühjahr 1965 brach der Weltstar des Jazz, Louis Armstrong, zu einer ausgedehnten Konzertreise hinter den „Eisernen Vorhang“ auf. Fünf sozialistische Länder standen auf dem Tourneeplan: die ČSSR, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien und die DDR. Die ostdeutsche Künstleragentur hatte den Musiker als „Kämpfer gegen Rassismus“ in den USA eingeladen. Seine Gage übernahm ein umtriebiger Geschäftsmann aus der Schweiz, weil das Land an Devisenmangel litt. Im Gegenzug durfte er Artefakte aus dem Dreißigjährigen Krieg und optische Geräte von Carl Zeiss Jena erwerben.
Satchmo war der erste US-Entertainer, der in der DDR gastierte. Mit seiner Weltklasseband, den All Stars, gab er 17 umjubelte Konzerte in den größten Sport- und Kongresshallen des Landes, wobei seine Trompete jedes Mal wie ein Tauchsieder wirkte. Wenn er sie in Berlin, Leipzig, Magdeburg, Erfurt oder Schwerin ins Publikum hielt, kochte der ausverkaufte Saal. Einem westdeutschen Reporter sagte der Musiker später: „Eine solche Begeisterung für Jazz, wie ich sie hinter der Mauer erlebt habe, kenne ich kaum noch.“
Der in Magdeburg lebende MDR-Journalist Stephan Schulz hat zwei Jahre lang in Archiven recherchiert, unzählige Zeitzeugen befragt und so nach und nach die einzige DDR-Tournee von Louis Armstrong rekonstruiert. Entstanden ist das Buch „What A Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“. Wie er dazu kam? „ Es war vor zwei Jahren, da produzierte ich für MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt einen kurzen Radiobeitrag über die DDR-Tournee von Louis Armstrong. Die Zeitzeugen, die ich dafür interviewt hatte, sprachen so begeistert über Louis Armstrong, als hätten sie ihn erst gestern im Konzert gesehen. Dabei ist alles schon 45 Jahre her. Von ihrer Begeisterung ließ ich mich anstecken. Ich recherchierte in meiner Freizeit weiter und so ist nach und nach dieses Buch entstanden - ein Erinnerungsalbum mit warmherzigen Geschichten aus der Zeit des Kalten Krieges“, erzählt der Autor. Dabei hatte Schulz vor dem Beginn seiner Recherchen gar keinen persönlichen Bezug zum Jazz: „ Ich bin in den Achtzigern aufgewachsen. Mit Band wie Depeche Mode, Sisters of Mercy und The Cure. Mit Jazz konnte ich eigentlich nie etwas anfangen. Und Louis Armstrong, den kannte ich zwar von Fotos her, aber wenn mich jemand gebeten hätte, drei seiner Welthits aufzuzählen, ich wäre grandios gescheitert. Ich kannte lediglich sein unvergessenes „What a Wonderful World“ aus dem Film „Good Morning Vietnam“. Inzwischen höre ich begeistert Jazz und ich frage mich, warum ich erst so spät einen Zugang zu dieser Musik gefunden habe. Letztens habe ich Coco Schumann im Konzert gesehen. Der hat bei den Ghetto Swingers in Theresienstadt gespielt und auch in Ausschwitz. Der Mann ist inzwischen 86 Jahre alt und steht noch immer auf der Bühne. Das bewundere ich. Jazz ist Ausdruck von Freiheit, da steckt so viel Lebensenergie und Menschlichkeit drin – einfach klasse!“
Der in Magdeburg lebende MDR-Journalist Stephan Schulz hat zwei Jahre lang in Archiven recherchiert, unzählige Zeitzeugen befragt und so nach und nach die einzige DDR-Tournee von Louis Armstrong rekonstruiert. Entstanden ist das Buch „What A Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“. Wie er dazu kam? „ Es war vor zwei Jahren, da produzierte ich für MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt einen kurzen Radiobeitrag über die DDR-Tournee von Louis Armstrong. Die Zeitzeugen, die ich dafür interviewt hatte, sprachen so begeistert über Louis Armstrong, als hätten sie ihn erst gestern im Konzert gesehen. Dabei ist alles schon 45 Jahre her. Von ihrer Begeisterung ließ ich mich anstecken. Ich recherchierte in meiner Freizeit weiter und so ist nach und nach dieses Buch entstanden - ein Erinnerungsalbum mit warmherzigen Geschichten aus der Zeit des Kalten Krieges“, erzählt der Autor. Dabei hatte Schulz vor dem Beginn seiner Recherchen gar keinen persönlichen Bezug zum Jazz: „ Ich bin in den Achtzigern aufgewachsen. Mit Band wie Depeche Mode, Sisters of Mercy und The Cure. Mit Jazz konnte ich eigentlich nie etwas anfangen. Und Louis Armstrong, den kannte ich zwar von Fotos her, aber wenn mich jemand gebeten hätte, drei seiner Welthits aufzuzählen, ich wäre grandios gescheitert. Ich kannte lediglich sein unvergessenes „What a Wonderful World“ aus dem Film „Good Morning Vietnam“. Inzwischen höre ich begeistert Jazz und ich frage mich, warum ich erst so spät einen Zugang zu dieser Musik gefunden habe. Letztens habe ich Coco Schumann im Konzert gesehen. Der hat bei den Ghetto Swingers in Theresienstadt gespielt und auch in Ausschwitz. Der Mann ist inzwischen 86 Jahre alt und steht noch immer auf der Bühne. Das bewundere ich. Jazz ist Ausdruck von Freiheit, da steckt so viel Lebensenergie und Menschlichkeit drin – einfach klasse!“
Seine Weltpremiere erlebt das Buch über Louis Armstrongs DDR-Tour am 12. März ab 19.30 Uhr auf dem Moritzhof, bevor es dann auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wird. Autor Stefan Schulz präsentiert auf seinen Lesungen auch seltene Fotografien, Schmalfilmaufnahmen und Einspielungen von Original-Tonaufnahmen.
















